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Zur Geschichte von Industrie- und Wirtschaft im Eberswalder Urstromtal – die Zeit von 1945 bis 1990 (DDR-Zeit)

Eberswalde und seine Region können auf eine über 500jährige industrielle Entwicklung zurückblicken. Die natürlichen Gegebenheiten des Urstromtals als Standort nutzend, waren es am Anfang diverse Mühlen (1402 – Lohmühle, um 1500 – Walkmühle) für Tuchmacherbetriebe und Papierfabriken, die vorzügliches Papier lieferten, so begann bald mit dem Kupferhammer (1532), einem Eisenhammer und später dem Messingwerk die Metallindustrie nach zeitweiligem Niedergang im Dreißigjährigem Krieg wieder aufzublühen. Der wirtschaftliche Aufschwung in der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert ließ das Gebiet am Finowkanal zur Wiege der brandenburgisch-preußischen Industrie werden. Zu Recht wurde es als „Märkisches Wuppertal“ bezeichnet. Aber auch im 19. und 20. Jahrhundert machte die Region mit beeindruckenden Innovationen auf sich aufmerksam, wie z.B. mit dem ersten Elektrizitätswerk, der ersten Rundfunkstation u.a.m.

Dem Geist der Zeit folgend tut man sich gegenwärtig noch immer schwer, die starke industrielle Entwicklung von Eberswalde in der DDR-Zeit sachlich und umfassend zu dokumentieren. Aus einer extrem schweren Nachkriegssituation erlebte Eberswalde in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung in wertschöpfenden Branchen. Die Metallindustrie stellte darin einen Kernbereich dar. Eberswalder Hafenkrane waren weltweit offenkundig sehr gefragte Exportprodukte und belegter Ausdruck dieser Entwicklung.

Zur starken Metallindustrie gehörten neben dem VEB Kranbau, der VEB Walzwerk Finow, das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) und der VEB Rohrleitungsbau Finow. Aber auch andere Wirtschaftsbereiche wie die chemische Industrie und Nahrungsgüterproduktion trugen maßgeblich zur Eberswalder Wirtschaftskraft bei.

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Mit unserer Präsentation sollen Betriebe vorgestellt und zugleich die Anstrengungen, Schwierigkeiten, Kämpfe aber auch Leistungen, Innovationen und Erfolge der Menschen in diesem geschichtlichen Abschnitt gewürdigt werden. Wir möchten insbesondere auch die noch bestehenden Möglichkeiten nutzen, Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen. Geschichten zur Geschichte sollen Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse und Episoden ergänzend vermitteln, die später in keinem Archiv zu finden sein werden.

Es sollen auch Hinter- und Beweggründe beleuchten werden. Es wird auch die Rede sein von einem anderen sozialen und kulturellen Leben, da, anders als heute, die Betriebe in diesen Bereichen gesellschaftliche Verantwortung trugen. Manche Formulierung wird für heutige Leser nicht so geläufig klingen. Authentische Ausdrücke sind bewusst belassen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn sich weitere Zeitzeugen an dem Vorhaben beteiligen.

Gerd Lutze

Eberswalde Mai 2013