VEB Chemische Fabrik Finowtal

Gründung des VEB Chemische Fabrik Finowtal

1947 wurde der VEB Chemische Fabrik Finowtal gegründet.
1950 wurde beschlossen, die Kampferproduktion wieder auf zu nehmen.
1951 wurden 1,8 t hergestellt.
Es folgte die Produktionsaufnahme von: lsobornylazetat, Camphen, Lösungsmittel Dipenten F4 und F20, m-Kresol, Galvanosalzen, ThymolMenthol und als Hauptprodukt Azetylzellulose.

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Chemische Fabrik Finowtal

Mit den Produkten synt. Kampfer und Isobornylazetat aus Terpentinöl schrieb die chemische Fabrik Chemiegeschichte. Diese beiden Erzeugnisse mit ihren Nebenprodukten bildeten schließlich die Grundlage für die weitere Entwicklung des Betriebes. Die Produktion von Azetylzellulose schuf die Grundlage zur Herstellung von unbrennbarer Filmunterlage in Berlin-Köpenick.
Parallel dazu verlief eine andere Entwicklung. Auf Grund der hohen Feuergefährlichkeit wurde weltweit die Produktion von Zelluloid herunter gefahren. Die Zelluloidproduktion war aber die Grundlage für den Absatz des synth. Kampfers. Diese Produktion wurde schließlich eingestellt. Vorstufen der Kampferproduktion sind aber Isobornylazetat und Camphen. Isobornylazetat ist die Basis für Riechstoffe der Fichtennadelnote. Und nur das Finowtaler Isobornylazetat hatte die dafür erforderliche geruchliche Eignung.

Die Produktion von Azetylzellulose war ein sehr kompliziertes Verfahren und erforderte den Einsatz solcher aggressiver Chemikalien wie Essigsäureanhydrid, Schwefelsäure und Tetrachlorkohlenstoff. Für diese Produkte gab es in der DDR kein geeignetes Dichtungsmaterial. Es mussten Teflondichtungen aus der (damaligen) BRD beschafft werden. Gleiche Probleme gab es bei den Metallen. Einzig Silber war standfest genug. So wurden in der Destillationsanlage 80 t reines Silber eingesetzt.
Da die Produktionshöhe von ca. 1000 Jahrestonnen Azetylzellulose den gestiegenen Bedarf der Volkswirtschaft nicht befriedigen konnte, wurde auf Beschluss der Regierung 1967 eine neue Produktionsanlage in Eilenburg gebaut.

Dem Betrieb in Finow wurde es zunächst überlassen, selbst eine Ersatzproduktion zu finden. Nach umfangreichen Recherchen wurde die Carboxymethylzellulose, abgekürzt CMC gefunden. Für dieses Produkt gab es zwei kleine Anlagen in der Filmfabrik Wolfen und im Chemiefaserwerk Premnitz.
Die eigene Forschungsabteilung entwickelte eine Abwandlung des Herstellungsprozesses die einen Aufbau einer Neuanlage im vorhandenen Gebäude des Ac- Betriebes ermöglichte. Die betriebseigene Projektierung erstellte das Projekt. Die notwendigen Maschinen und Ausrüstungen wurden mit abenteuerlichen Methoden außerhalb aller Bilanzen beschafft.
Finanziert wurde die gesamte Umstrukturierung durch den Verkauf des Silbers aus der Verschrottung der Altanlage. Der Silberpreis war auf dem Weltmarkt um das 8-fache gestiegen.

Infolge der vielfältigen Verwendungen von CMC seien hier nur die größenordnungsmäßig wichtigsten genannt:
CMC-technisch, d.h. ungereinigt:

  1. Tapetenkleber,
  2. Schmutzträger in Waschmitteln und
  3. Zusatz zur Bohrspülung bei der Erdölerkundung ( Export in die Sowjetunion).

CMC-gereinigt:

  1. Zahnpastaherstellung,
  2. Backwarenherstellung,
  3. Pharmazie(Tablettensprengmittel) und
  4. diverse weitere Einsatzzwecke.

Den Vertrieb übernahm der Chemiehandel.

Der VEB Chemische Fabrik Finowtal besaß ein eigenes Industriekraftwerk mit einem 84 m hohen Schornstein und Gleisanschluss. Das Industriekraftwerk verfügte über 2 Kessel (Bild Kesselleitstand). Der erzeugte Dampf war hauptsächlich für die Produktion im Terpenbetrieb (Destillationsanlagen und Trockner) sowie für den AC-Betrieb (Aufarbeitung der Reaktionsflüssigkeiten und Trocknung der Azetylzellulose) bestimmt. Es wurde aber auch mit einer Turbine und einem Generator (Bild) Strom erzeugt. Und zwar genug, dass der Betrieb auch ohne Strombezug aus dem öffentlichen Netz auskommen konnte (sog. Inselbetrieb). Die Kessel wurden mit Rohbraunkohle befeuert. Dafür gab es einen Kohlelagerplatz mit einem Brückenkran (Bild Kohlebrücke).